Kindertagespflege im Gespräch bei Landtagskandidaten

Am Mittwoch (10. März) und am Donnerstag (11. März) haben sich der Vorstand und die Geschäftsführung des Kindertagespflegevereins mit den Landtagskandidaten Martin Grath (Bündnis90/Die Grünen) und Magnus Welsch (CDU) getroffen, um über Belange der Kindertagespflege auf Landkreis- und Kreisebene zu sprechen.

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Die aktuellen Forderungen des Landesverbandes Kindertagespflege Baden-Württemberg aus der Kampagne „Kindertagespflege Gesetz(t)“ standen bei beiden Besprechungen im Mittelpunkt. Auch die Arbeitsbedingungen der Tagespflegepersonen vor und während der Pandemiezeiten waren ein zentrales Thema.

Kampagne des Landesbandes Kindertagespflege Baden-Württemberg

In den letzten Jahren hat sich die Kindertagespflege in Baden-Württemberg qualitativ stetig weiterentwickelt. Die „Qualifizierungsoffensive Kindertagespflege“ verdeutlicht diesen Trend. Zukünftig werden Tagespflegepersonen in 300 Unterrichtseinheiten qualifiziert statt wie bisher in 160. Der Landesverband fordert, dass diesen gestiegenen Anforderungen finanziell und rechtlich Rechnung getragen werden muss. Bisher verlassen sich Tagespflegepersonen, Eltern und deren Kinder landesweit auf wichtige Regelungen, die lediglich in einer Verwaltungsvorschrift (VwV) festgelegt sind. Das Problem: Diese ist kein Gesetz. Entsprechend hoch ist die Unsicherheit und langfristige Planungen werden zum Risiko. Angesichts der ungebrochen hohen Nachfrage an Betreuungsplätzen – auch im Landkreis Heidenheim – birgt dieser Zustand Gefahren für das ganze System Kindertagespflege. Deshalb fordert der Kindertagespflegeverein Landkreis Heidenheim gemeinsam mit dem Landesverband: Die Kindertagespflege gehört ins Gesetz!  Geschäftsführerin Karin Keller sowie die Vorstandsmitglieder Michael Kolb, Heidrun Will und Helga Banz erläuterten die Hintergründe dieser Forderung und äußerten den Wunsch, dass die Inhalte der bisherigen VwV in verbesserter Form ins Kindertagesbetreuungsgesetz (KiTaG) übernommen werden. Problematisch ist beispielsweise, dass die Vorschrift für die Kindertagespflege eine begrenzte Gültigkeit hat und es hier oft zu Verzögerungen kommt. So sollte bereits im Januar 2021 die neue VwV in Kraft treten, die weiterhin aussteht.

KTPgesetzt

Grath und Welsch zeigten sich beide interessiert an der genannten Forderung des Landesverbandes. Martin Grath, ein starker Befürworter der Kindertagespflege, steht mehrmals im Jahr mit dem Verein im Austausch, um wichtige Anliegen zu besprechen. Er betonte, dass es längst Zeit für diese Maßnahme ist und dass er den Verein diesbezüglich unterstützt, denn die „Kindertagespflege ist eine absolut unverzichtbare Säule in der Kindertagesbetreuung“, so Grath. „Sie in das Gesetz aufzunehmen – darüber brauchen wir gar nicht sprechen. Das sind ja teilweise Forderungen von uns Grünen und es ist klar, dass wir voll hinter dieser Forderung stehen. Das muss auch in nächster Zeit passieren. Wenn die Ansprüche auf Betreuung ausgebaut werden, dann wird ohne die Kindertagespflege nichts passieren können.“

Auch Magnus Welsch hat sich den Forderungen gegenüber aufgeschlossen gezeigt, fügte aber hinzu, dass eine VwV auch Vorteile bringt: „Es hat verständlicherweise nochmal eine andere Qualität, wenn etwas in Gesetzesform vorliegt. Eine Verwaltungsvorschrift ist etwas sehr Dynamisches. Da kann man schnell Dinge wieder aufheben und Stellschrauben schnell bedienen. Auf der anderen Seite fehlt aber die Verbindlichkeit und Dauerhaftigkeit eines Gesetzes, sodass keine Planungssicherheit besteht.“ Welsch versteht den Wunsch nach der Aufnahme ins Gesetz, da die VwV als Ausführungsvorschrift den Verein in manchen Bereichen ausbremst.

Arbeitsbedingungen der Tagespflegepersonen  

Starkes Interesse zeigte Welsch auch am Thema Qualifizierung zur Tagespflegeperson, da er viel Wert auf Qualität legt. Keller berichtete von der aktuellen Grundqualifizierung, die 160 Unterrichtseinheiten umfasst, und der voraussichtlich im Herbst 2021 eintretenden Qualifizierungsoffensive, die eine Ausweitung auf 300 Unterrichtseinheiten vorsieht. Von allen Beteiligten wird die Qualifizierungsausweitung positiv bewertet, da es unter anderem zu einer qualitativ hochwertigen Kindertagespflege beiträgt. Grath und Welsch erkannten jedoch beide die großen Herausforderungen der Akquise neuer Tagespflegepersonen vor dem Hintergrund der Ausweitung. In einer lösungsorientierten Diskussion tauschte sich Welsch mit Keller und den Vorstandsmitgliedern über Verbesserungen in Bezug auf die Abrechnungsmodalitäten für Tagespflegepersonen (Entbürokratisierungen) und über die Erhöhungen der Geldleistungen aus. Welsch, der sich unter anderem stark für die Digitalisierung einsetzt, findet auch ein Voranschreiten im Bereich der Digitalisierung für die Kindertagespflege sinnvoll, die beispielsweise auch beim Abrechnungsvorgang eingesetzt werden könnte. „Wir müssen den Leuten viel mehr Zeit für Ihre Kerntätigkeit geben und den ganzen Rahmen erleichtern. Digitalisierung ist hier eine große Chance, um die Situation zu verbessern.“

Tagespflegepersonen in der Notbetreuung

Auf der Hand lag das Thema der Kindertagespflege im Lockdown. Beide Kandidaten interessierten sich für die Arbeitsbedingungen der Tagespflegepersonen während dieser Zeit.

Karin Keller berichtete über die enormen Herausforderungen, mit denen sich die Tagespflegepersonen auseinandersetzen mussten und noch immer müssen. Tagesmütter und -väter haben in der Regel eigene Kinder, die zu dieser Zeit betreut werden mussten. Hinzu kam die Notbetreuung von Tageskindern. Die Schutzmaßnahmen für Tagespflegepersonen waren zeitgleich gering. Mittlerweile haben Tagespflegepersonen die Möglichkeit, sich zweimal wöchentlich anlasslos testen zu lassen und seit Kurzem sind sie impfberechtigt. „Genau das sind die Meldungen, die ich als Feedback brauche“, sagt Grath. „Wir wollen schon jetzt für eventuell kommende Krisen vorbereiten sein. Es ist also wichtig, auch jetzt schon zu evaluieren, was man besser machen kann und wie wir uns besser auf unvorhergesehene Dinge vorbereiten können.“ Er begrüßt es, dass Tagespflegepersonen in der Impfberechtigung nach vorne gezogen wurden und auch Welsch versteht die schwierige Lage, die Tagespflegepersonen in der Coronazeit ausgesetzt sind.

Beide Kandidaten haben sich einige Punkte auf ihre Agenda gesetzt, die sie auch in künftig Diskussionen mitnehmen wollen. Von beiden Seiten wurde dem Verein Unterstützung in diesen Belangen angeboten. Der Verein bedankt sich herzlich für den offenen Austausch und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.

Das Gespräch mit Andreas Stoch (SPD), welches nach den Landtagswahlen stattfindet, wird vermutlich weitere interessante Diskussionen anstoßen.